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Frauen in Handwerksunternehmen

Bist du noch „Ehemann-Managerin“ oder schon Unternehmerin?

Der Weg aus der (Selbst-)Stigmatisierung hin zu einem selbstbewussten Standing im Handwerk

#meanwhileimjahr2019: Dieses Hashtag geht momentan viral, initiiert von einer Mutter, die sich für Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern stark macht. Es soll darauf aufmerksam machen, dass selbst im Jahr 2019, genau 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland und 42 Jahre nachdem Frauen ohne Einverständnis ihrer Männer arbeiten gehen dürfen, noch immer eine solche Ungleichheit zwischen den Geschlechtern herrscht, dass es beinahe lachhaft ist. Was unter dem Gesichtspunkt der Mutterschaft ins Leben gerufen wurde, lässt sich (leider) auf viele andere Lebensbereiche übertragen. Ganz vorn dabei: das Thema Frauen in vermeintlichen Männerberufen.

Eine Google-Suche zum Thema Frauen im Handwerk ergibt ein erschütterndes Ergebnis.

Nur wenige Frauen erlernen ein Handwerk und falls doch, so sind es meist die typischen „Frauenberufe“ wie Frisörin oder Konditorin. In den echten „Männerberufen“, sei es Dachdecker oder Zimmermann, findet Mann (Achtung Wortspiel) Frau nur selten. Frauen kommen hier meist über ihre Ehemänner ins Handwerk und fungieren sodann oft im Hintergrund, als sogenannte „Ehemann-Managerin“ oder „Bürofee“. Unsichtbar für die Öffentlichkeit, unabkömmlich für die Firma.

Schon jene Begrifflichkeiten zeigen, was lange geahnt wurde: Der Wert der Arbeit von uns Frauen wird noch immer nicht angemessen gewürdigt, ja sogar verniedlicht. Doch wie kommt es dazu? Ist daran tatsächlich das böse Patriachat schuld oder manövrieren wir Frauen uns ein Stück weit selbst ins Aus?

Die Wahrheit liegt – wie so oft – vermutlich in der Mitte.

Einerseits geschieht die Stigmatisierung von außen in dem Moment, in welchem bspw. Seminare exklusiv für „Unternehmerfrauen“ angeboten werden. Inhalt: Wie halte ich meinem Mann den Rücken frei. Oder auch: Wie kleide ich mich am passendsten? #meanwhileimjahr2019. Dass man diese Seminare für „Unternehmermänner“ erfolglos sucht, muss wohl nicht extra betont werden. Andererseits verfallen wir Frauen auch oft einer Selbstviktimisierung. Wir machen uns selbst zum Opfer, indem wir z.B. nur im Hintergrund agieren. Unauffällig und eben unsichtbar, sodass wir – wenn überhaupt – lediglich als Frauen der Unternehmer, wahrgenommen werden.

Dabei ist unsere Arbeit so wichtig und verdient es, gesehen zu werden. Die Aufgabenliste der Frauen in Handwerkbetrieben ist oft sehr lang: Wir kümmern uns um Angestellte, sind die freundliche Stimme am Telefon, kontrollieren Arbeitszeiten, schreiben Angebote und Rechnungen. Nicht zu vergessen kämpfen wir uns durch die DSGVO, Gefährdungs­beurteilungen, Brandschutzvorschriften und vieles mehr.

Bei uns Dachfenster-Rettern teilen wir die zu erledigenden Dinge nach unseren Begabungen und Vorlieben auf. Geschlechterstereotypen dürfen und sollen überschritten werden – da, wo es uns Spaß macht. So liegen besonders rechtliche, finanzielle und steuerliche, also typisch männliche Angelegenheiten in meinem Zuständigkeitsbereich. Dafür kümmert sich der „Unternehmermann“ um technische Dinge und ist auf der Baustelle anwesend, was ihm Freude bereitet und wo meine Defizite liegen. Wir erarbeiten zwar gemeinsam unsere Visionen, aber ich bin eher diejenige, die diese dann umsetzt. Während ich also eher am Unternehmen arbeite, beispielsweise unser Partnerkonzept federführend umsetze, arbeitet er im Unternehmen und setzt das praktische Tagesgeschäft um. Jeder übernimmt das, was er gut kann und tun möchte. Dabei ist weder das eine noch das andere weniger bedeutend oder wertvoll.

Zusammenfassend kann man sagen:

Wir Frauen werden oft unterschätzt, verstecken uns aber auch selbst. Dabei sind wir meist das Herzstück der Firma. Und wie es eben mit dem Herzen so ist: Ohne läuft es nicht. Es wird also Zeit, aus dem Off hervor zu treten! Wir müssen uns bemerkbar machen, zeigen, was wir draufhaben und was wir tagtäglich leisten. Wir müssen auf die Ungleichheiten hinweisen, darauf aufmerksam machen und sensibilisieren. Nur so können wir öffentlich wahrgenommen werden und in der Gesellschaft ein Umdenken anstoßen, dass wir eben nicht die „Ehemann-Managerin“, die „Bürofee“ oder die „Unternehmerfrau“ sind. Wir müssen uns selbstbewusst an die Öffentlichkeit wenden als das, was wir wirklich sind: Managerinnen, Unternehmerinnen, Geschäftsführerinnen.

Sara Dundiew – Geschäftsführerin

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